GEA - 2018-06-02
Mensch und Tier im engen Kontakt

»UNSER PONYHOF« HAT CHRISTINE HAGEMANN IHR TIER-IDYLL IM PFRONSTETTER ORTSTEIL AICHSTETTEN GENANNT.FOTO: LEUSCHKE
»UNSER PONYHOF« HAT CHRISTINE HAGEMANN IHR TIER-IDYLL IM PFRONSTETTER ORTSTEIL AICHSTETTEN GENANNT.FOTO: LEUSCHKE

Leute – Christine Hagemann setzt auf vierbeinige Gehilfen, zur Therapie oder um einfach den Alltag hinter sich zu lassen

PFRONSTETTEN-AICHSTETTEN. »Jeder will zum Ponyreiten«, meint Christine Hagemann nicht ohne Bedauern: »Dabei kann man so viel mehr machen.« Für die Aichstetterin sind ihre Tiere viel mehr als nur Haustiere – sie sind Lebensbegleiter, Therapeuten, Seelentröster. Die 31-Jährige, die sich im Pflege- und Therapiebereich weiterqualifiziert, betreibt seit gut zwei Jahren »Unser Ponyhof« in Aichstetten, einen Ort, an dem Menschen ganz behutsam mit Tieren in Berührung kommen sollen, ohne das klassische Reitprogramm. Eine Art »Streichelzoo«, um zur Ruhe zu kommen, den Alltag mit seinen Sorgen und Nöten hinter sich lassen zu können.

Bunte Hühnerschar

Christine Hagemann ist mit Tieren groß geworden. Die Großeltern hatten eine Landwirtschaft, später

kamen in den Kuhstall Pferdeboxen mit Haflingern. Jetzt hat die Enkelin die Sache in die Hand genommen. Drei Classic-Ponys – Dornröschen, Jelly Bean und Caramel – fanden in Aichstetten eine Heimat, zuletzt zog die Haflingerstute Manjana ein. Ihre zweite Leidenschaft sind die Hühner – eine bunt gemischte Truppe, bestehend aus den verschiedensten Rassen. Hinzu kommen noch zwei Hasen, vier Meerschweinchen, Wachteln. »Ich habe so viele Tiere, wie ich versorgen kann«, sagt sie.

Tiere können sehr viel Halt geben, wenn man krank ist, davon musste sich Hagemann schon selbst überzeugen. »Das einzige, was mich wieder nach oben gebracht hat, waren meine Tiere.« Auch die Arbeit habe ihr Kraft gegeben. Wer solche Erfahrungen mache, der lerne etwas daraus. »Da sieht man die Welt anders. Stress ist Gift hoch drei«, weiß sie nun. Zudem könne man auch von Tieren vieles lernen: Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Rücksichtnahme oder Empathie.

Im Ponystall beginnt das Zusammensein meist mit Putzen, Schmusen und Führen. Es geht darum, einen Kontakt zum Tier aufzubauen, zu verstehen, dass das Pony nicht nur zum Reiten bestimmt ist. Die Reaktion ist unterschiedlich, weiß Christine Hagemann. Kinder, denen Tiere nicht so vertraut sind, öffnen sich auf einmal. Es sei jedoch viel vom Tier selbst abhängig, »Jedes Pony ist anders«, sagt sie.

»Es sucht sich seinen Menschen aus.«

Die Besucher kommen aus ganz unterschiedlichen Gründen, sei es die Gruppe mit Jugendlichen aus Mariaberg, seien es Feriengäste aus der Umgebung. Auch Schulklassen waren schon zu Gast.

Der Ablauf der Besuche ist unterschiedlich, aber etwas ist immer gleich: Ponyreiten steht nicht im Vordergrund, sondern der Kontakt zwischen Mensch und Tier.

Einem jungen Mann mit Handicap gefällt es zum Beispiel, einfach bei den Hühnern zu sitzen, sie zu streicheln. Am Ende darf er dann Eier holen. Auch eine junge Frau kommt regelmäßig, immer sehr aufgekratzt. Wenn sie eine Weile da ist, wird sie ganz ausgeglichen. Für Menschen wie sie eigneten sich die Hühner jedoch nicht, da kämen eher die Hasen oder Ponys ins Spiel. Es müsse auch nicht jedes Mal das Gleiche passieren, findet Christine Hagemann: Das Zusammensein mit den Tieren sei ein Prozess,

der sich entwickeln muss. Wichtig ist ihr, dass die Gäste lernen, dass füttern und misten zur Tierhaltung

mit dazugehört.

Füttern und misten gehört dazu

Christine Hagemann hilft jedoch nicht nur mit ihren Tieren. Seit zwei Jahren veranstaltet sie vor der Adventszeit einen kleinen Markt zugunsten von »Hilfe für kranke Kinder«, die Stiftung der Uni-Kinderklinik Tübingen, sowie des Reittherapiestalls der Nachsorgeklinik Tannheim. 832 Euro sind zusammengekommen.

»Wenn man Tiere hat, benötigt man genügend Platz und Zeit«, das ist Christine Hagemann wichtig.

»Viele sagen, man merkt es den Tieren auch an.« Gäste fragten sie, was sie mit ihren Ponys denn mache. »Nichts«, sagt sie dann. »Ich bin, wie ich bin und das spiegelt sich in den Tieren wieder.« Es sei ihr ein Stück weit in die Wiege gelegt, ein Gespür für ihre Tiere zu haben. (leua)